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Giuseppe Verdi (1813–1901) gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Operngeschichte. Seine Werke wie Nabucco, Rigoletto, La traviata, Aida oder Otello haben bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Verdi prägte das italienische Musiktheater des 19. Jahrhunderts, wurde zu einer Symbolfigur des Risorgimento und verstand es wie kaum ein anderer, große historische Themen mit zutiefst menschlichen Schicksalen zu verbinden. Diese Biografie zeichnet seinen Weg vom Sohn eines kleinen Gastwirts in der Lombardei bis zum gefeierten Nationalkomponisten Italiens nach.

Giuseppe Verdi (1813–1901) gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Operngeschichte. Seine Werke wie Nabucco, Rigoletto, La traviata, Aida oder Otello haben bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Verdi prägte das italienische Musiktheater des 19. Jahrhunderts, wurde zu einer Symbolfigur des Risorgimento und verstand es wie kaum ein anderer, große historische Themen mit zutiefst menschlichen Schicksalen zu verbinden. Diese Biografie zeichnet seinen Weg vom Sohn eines kleinen Gastwirts in der Lombardei bis zum gefeierten Nationalkomponisten Italiens nach.

Biografie Giuseppe Verdi

1813

Am 10. Oktober 1813 kommt Giuseppe Verdi im Dorf Le Roncole zur Welt, in der lombardischen Tiefebene Norditaliens. Er ist der Sohn von Carlo und Luigia. Der Vater betreibt eine kleine Wirtschaft. Da die Region damals unter französischer Herrschaft steht, wird der Knabe im Taufregister mit französischen Vornamen eingetragen: Joseph Fortunin François.

1814

Österreichische Truppen vertreiben die Franzosen. Lombardei, Venetien, Toskana und Parma gelangen für Jahrzehnte unter habsburgische Herrschaft.

1823

Der Kaufmann Antonio Barezzi wird zum väterlichen Freund und Mäzen des begabten Jungen und ermöglicht ihm das Gymnasium in Busseto.

1824

Verdi spielt sonntags Orgel in der Kirche seines Heimatortes Le Roncole und beginnt – noch als Kind – ein Musikstudium bei Ferdinando Provesi in Busseto.

1828

In Busseto wird Il barbiere di Siviglia gegeben; Verdi steuert eine Ouvertüre bei. Weitere kleinere Werke entstehen.

1832

Mit Unterstützung der Herzogin Marie-Louise von Parma (ehemals Kaiserin von Frankreich) geht Verdi nach Mailand. Das Konservatorium nimmt ihn nicht auf; die Gründe bleiben bis heute unklar. Er bleibt dennoch in Mailand und studiert bei Vincenzo Lavigna, dem ehemaligen Kapellmeister der Scala. Häufig besucht er Vorstellungen an der Teatro alla Scala.

1836

Verdi heiratet Margherita Barezzi, die Tochter seines Förderers Antonio Barezzi.

1837

Tochter Virginia wird geboren; sie stirbt bereits 1838.

1838

Sohn Icilio kommt zur Welt; er stirbt 1839.

1839

Am 17. November 1839 wird Verdis erste Oper Oberto, conte di San Bonifacio an der Scala uraufgeführt – ein Achtungserfolg. In dieser Zeit lernt er die gefeierte Mezzosopranistin Giuseppina Strepponi kennen.

1840

Ein tragisches Jahr: Verdis Ehefrau Margherita stirbt; seine komische Oper Un giorno di regno fällt durch.

1842

Der Durchbruch: Am 9. März 1842 triumphiert Nabucco an der Scala. Giuseppina Strepponi singt die Abigaille – ihr Weg und der Verdis verknüpfen sich zunehmend.

1843

Am 11. Februar 1843 folgt I Lombardi alla prima crociata an der Scala, wiederum mit großem Erfolg. Chöre aus Nabucco und I Lombardi werden zu Hymnen des italienischen Patriotismus. Am 4. April 1843 reist Verdi nach Wien – seine erste Auslandsreise. In der zweiten Jahreshälfte nähern sich Verdi und Strepponi persönlich an.

1844

Am 9. März 1844 bringt das Teatro La Fenice in Venedig Ernani heraus (nach Victor Hugo). Bereits am 3. November 1844 folgt I due Foscari am Teatro Argentina in Rom.

1845

Giovanna d’Arco (nach Schiller) wird am 15. Februar 1845 an der Scala uraufgeführt; Alzira am 12. August 1845 in Neapel (Teatro San Carlo). Verdi bezeichnet diese produktive Phase später als seine „Galeerenjahre“.

1846

Verdi ist gesundheitlich angeschlagen. Am 17. März 1846 hat Attila im Teatro La Fenice Premiere.

1847

Am 14. März 1847 entsteht in Florenz (Teatro della Pergola) Macbeth nach Shakespeare. Am 22. Juli 1847 folgt in London (Her Majesty’s Theatre) I masnadieri nach Schiller. Verdi erwirbt das Gut Sant’Agata bei Busseto, das er zu seinem Lebensmittelpunkt ausbaut.

1848

Gaetano Donizetti stirbt in Bergamo; die großen Belcanto-Meister sind verstummt (Rossini hatte 1829 aufgehört, Bellini war 1835 gestorben). Am 25. Oktober 1848 wird Il corsaro in Triest (Teatro Grande) uraufgeführt.

1849

Am 27. Januar 1849 hat La battaglia di Legnano in Rom Premiere; am 8. Dezember 1849 folgt Luisa Miller in Neapel (Teatro San Carlo).

1850

Im Sommer/Herbst arbeitet Verdi an Stiffelio (Libretto: Francesco Maria Piave); Uraufführung am 16. November 1850 in Triest (Teatro Grande). Wegen Zensur wird der heikle Stoff entstellt – Verdi ist unzufrieden. Er prüft weitere Sujets (u. a. Hamlet, König Lear, Hugos Le roi s’amuse, später Rigoletto). Stiffelio bereitet den Weg zu kompromissloseren Stoffen.

1851

Am 11. März 1851 triumphiert Rigoletto in Venedig (La Fenice) und begründet Verdis Weltruhm. Verdis Mutter stirbt Ende Juni. Es kommt zum Zerwürfnis mit Bewohnern Bussetos, die das unverheiratete Zusammenleben mit Strepponi missbilligen. Verdi reist nach Paris.

1852

Librettist Salvatore Cammarano stirbt; Leone Emanuele Bardare vollendet das Libretto zu Il trovatore. Verdi sieht in Paris Dumas’ La Dame aux camélias und entscheidet sich für den Stoff, der zu La traviata wird.

1853

Enormes Tempo: Am 19. Januar 1853 wird Il trovatore in Rom uraufgeführt, am 6. März 1853 fällt La traviata in Venedig zunächst durch. Gegen Jahresende zieht Verdi mit Strepponi zeitweise nach Paris und arbeitet an der französischen Grand-Opéra Les vêpres siciliennes (Text: Eugène Scribe) für die Weltausstellung.

1854

Am 6. Mai 1854 wird La traviata in Venedig (Teatro San Benedetto) neu einstudiert – nun mit großem Erfolg.

1855

Am 13. Juni 1855 wird Les vêpres siciliennes an der Pariser Oper uraufgeführt.

1857

Simon Boccanegra hat am 12. März 1857 in Venedig (La Fenice) Premiere. Stiffelio erscheint in überarbeiteter Form als Aroldo (Premiere in Rimini).

1858

Zähe Auseinandersetzungen mit der Zensur um den Stoff des späteren Un ballo in maschera (ursprünglich Gustavo III) – geplant war zunächst Neapel.

1859

Am 17. Februar 1859 wird Un ballo in maschera in Rom (Teatro Apollo) uraufgeführt. Am 29. August 1859 heiraten Giuseppe Verdi und Giuseppina Strepponi im kleinen Kreis in Collonges-sous-Salève bei Genf. Verdi wird vom neuen König Viktor Emanuel II. geehrt und politisch in Ämter berufen (u. a. Deputierter).

1862

Am 10. November 1862 wird La forza del destino in Sankt Petersburg uraufgeführt. Für die Londoner Weltausstellung komponiert Verdi den Inno delle nazioni (Text: Arrigo Boito).

1865

Am 21. April 1865 erklingt in Paris die revidierte Fassung von Macbeth. Eine Woche später folgt posthum Meyerbeers L’Africaine – Paris ist das Zentrum der Grand Opéra.

1866

Verdi versucht, sich aus einem Pariser Vertrag zu lösen, und beginnt – gesundheitlich angeschlagen in den Pyrenäen – mit der Arbeit an Don Carlos.

1867

Am 11. März 1867 wird Don Carlos in Paris uraufgeführt – ein anspruchsvolles Werk nach Schiller im Rahmen der französischen Grand Opéra. Die Reaktionen sind gemischt, bald werden Kürzungen vorgenommen; heute gilt die Oper als eine der komplexesten Partituren Verdis. Persönliche Verluste überschatten das Jahr: Verdis Vater Carlo Verdi und sein früherer Schwiegervater und Mäzen Antonio Barezzi sterben.


Die Jahre ab 1868

1871

Für Kairo entsteht Aida. Die Uraufführung findet am 24. Dezember 1871 im Khedivial-Opernhaus statt; am 8. Februar 1872 folgt die gefeierte Italienpremiere an der Scala. Das Werk verbindet private Tragik und Staatsraison und gehört bis heute zu Verdis meistgespielten Opern.

1873–1874

Der Tod Alessandro Manzonis am 22. Mai 1873 bewegt Verdi zutiefst. Am 22. Mai 1874 wird in Mailand, San Marco, sein Requiem uraufgeführt – ein überwältigender Erfolg und eines der bedeutendsten sakralen Werke des 19. Jahrhunderts.

1881

Verdi und Arrigo Boito überarbeiten Simon Boccanegra grundlegend (Libretto und Partitur). Die Neufassung wird am 24. März 1881 an der Scala uraufgeführt und rehabilitiert das Werk.

1887

Am 5. Februar 1887 kehrt Verdi mit Otello – nach Shakespeare, Libretto: Boito – glanzvoll auf die Opernbühne zurück. Die Uraufführung an der Scala wird zu einem Triumph; die späte Meisterschaft Verdis wird allseits anerkannt.

1893

Mit Falstaff (Uraufführung am 9. Februar 1893 an der Scala) schreibt Verdi eine springlebendige komische Oper von höchster Kunstfertigkeit, basierend auf Die lustigen Weiber von Windsor sowie Szenen aus Heinrich IV.. Das Werk krönt sein Bühnenschaffen.

1894–1898

Verdi widmet sich kleineren Projekten und geistlicher Musik (Quattro pezzi sacri, uraufgeführt als Zyklus 1898 in Paris). Zugleich engagiert er sich sozial, besonders für das von ihm gestiftete Altersheim für Musiker, die Casa di Riposo per Musicisti in Mailand.

1897

Am 14. November 1897 stirbt Giuseppina Strepponi, Verdis langjährige Lebensgefährtin und Ehefrau. Verdi zieht sich noch stärker nach Sant’Agata zurück.

1901

Giuseppe Verdi stirbt am 27. Januar 1901 in Mailand. Bei der Beisetzung singen Tausende den Gefangenenchor aus Nabucco – ein nationales Trauerritual für den Komponisten, der zur Symbolfigur des italienischen Risorgimento geworden war.

Nachwirkung

Verdi hinterlässt 26 Opern von anhaltender Bühnenpräsenz – von Nabucco, Rigoletto, La traviata und Aida bis zu den Spätwerken Otello und Falstaff. Seine Musik verbindet melodische Fülle, dramatische Prägnanz und tiefe Menschlichkeit. Als Künstler und Bürger prägte er das kulturelle Selbstverständnis des modernen Italiens – seine Werke gehören bis heute zum Kernrepertoire der Opernhäuser weltweit.


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