Fidelio von Barenboim und Kupfer fasziniert mit Musik, die aus dem Nichts kommt

  Sonntag, 02 Oktober 2016 12:55

Am 3. Oktober fand mit Ludwig van Beethovens "Fidelio" die Eröffnungspremiere der Saison 2016/17 an der Berliner Staatsoper statt...

Wir hatten es gerade nicht parat, aber Beethovens Fidelio ist so eine Art Nationaloper. Sie handelt von Liebenden, von der ganz großen Menschlichkeit, von der Befreiung. In der neuen Inszenierung von Harry Kupfer in der Staatsoper Unter den Linden im Schillertheater, die „Nationalfeiertag“ Deutschlands, am 3. Oktober 2016 ihre Premiere feierte, zog der Regisseur sogar eine „zweite Ebene“ ein. Am Anfang, immer wieder mittendrin, treten die Darsteller aus dem Stück heraus und werden zu Sängern, die Opernsänger spielen. Dadurch rückt Kupfer den großen Romantiker Beethoven auf eine neue Art in den Mittelpunkt. So ist die Inszenierung auch eine einmalige Huldigung an den Komponisten der Oper Fidelio, die weit über das alleinstehende Werk aus der Gattung Musiktheater hinausgeht.

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Camilla Nylund (Leonore) | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Evelin Novak (Marzelline) und Florian Hoffmann (Jaquino) | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Camilla Nylund (Leonore), Matti Salminen (Rocco), Evelin Novak (Marzelline) und Florian Hoffmann (Jaquino)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Freiheit! (Herren des Staatsopernchores)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Camilla Nylund (Leonore)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Andreas Schager (Florestan)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Camilla Nylund (Leonore) und Andreas Schager (Florestan)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Falk Struckmann (Don Pizarro), Camilla Nylund (Leonore) und Andreas Schager (Florestan)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Falk Struckmann (Don Pizarro), Camilla Nylund (Leonore) und Andreas Schager (Florestan)  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin
Ensemble  | Foto © Bernd Uhlig via Staatsoper Berlin

Bildergalerie zu »Fidelio« in der Berliner Staatsoper unter den Linden

Anfangs stehen Chor und Ensemble vor einem großen Prospekt, das den Goldenen Saal des Wiener Musikvereins zeigt. Das große Bild fällt herab und das Stück „Fidelio“ beginnt. Eine sehr schnelle Verwandlung vom Heute mit den Sängern, die Opernsänger spielen hin zur dunklen Geschichte über Macht, Unrecht und eine einsame Kerkerhaft.
Das Stück ist schnell erzählt. Leonore hat sich in Männerkleidern in den Haushalt von Rocco eingeschlossen und dabei das Herz seiner Tochter Marzelline erobert. Diese ist aber Jaquino versprochen. Leonore fleht Rocco an, sie mit zum Verlies zu nehmen, indem seit langem der Politische Gefangene Florestan seinen letzten Stunden entgegensieht. Sie ahnt, dass Florestan, ihr geliebter Gemahl, im dunklen Kerker einsitzt. Don Pizzaro weiß zu verhindern, dass Rocco jemanden mit zum Kerker nimmt, aber nach einer eindringlichen Arie des Florestan im zweiten Teil, treffen Leonore und Florestan schließlich aufeinander. Am Ende ist Florestan frei und die Geliebten sind wieder vereint. In einem großen Finale singen alle ein großes Lob auf die Freiheit und die eheliche Liebe.

Andreas Schager singt den Florestan mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Seine Tongebung ist hell-metallisch, seine Höhe mühelos und im Ausdruck steht er vorherigen Interpreten der Rolle wie zum Beispiel René Kollo (an dessen Stimme die von Andreas Schager sogar manchmal erinnert) in nichts nach. Die finnische Sopranistin Camilla Nylund versteckt ihre Weiblichkeit nicht in der Fidelio-Hose, sondern gibt der Rolle mit überzeugendem Spiel eine durchgängige Weichheit, die anrührt. Die Verzweiflung im Kerker über den schlechten Zustand Florestans nimmt man ihr mühelos ab. Ihr wohlklingender Sopran steht den großen Fidelio-Interpretationen von namhaften Vorgängerinnen in dieser Rolle in nichts nach.

Matti Salminen hat die undankbaren Regieanweisungen eines aggressiven Getues umzusetzen, ist im Gesang dabei wie gewohnt ausdrucksstark. Falk Struckmann als Don Pizarro bringt mit unheimlichen Gesten einen überzeugenden Gefängnisleiter auf die Bühne. Durchweg wird also sehr, sehr gut gesungen.
Als entspannende Wohltat und gute Abwechslung ist noch zu erwähnen, dass es angenehm war, endlich mal nicht den Text während des Stückes mitlesen zu müssen. Übertitel gab’s diesmal keine, ganz anders als bei vielen großen Wagneraufführungen in denen auf Deutsch gesungen wird, und in denen zu allem Überfluss meist Deutsch und Englisch übertitelt wird.

Eine anthrazitfarbene Kerkerwand ist die zentrale Idee des Bühnenbildes. Sie lässt sich nach vorne und hinten öffnen, hat aber auch einen einfachen Eingang für den ersten Auftritt von Florestan. Die halbe Miete der Bühne ist auch hier die stimmungsvolle Beleuchtung. Die eindrücklichste Phase der sehenswerten Inszenierung ist die Kerkerszene im zweiten Teil. Hier gelingt es Harry Kupfer, in einer Art überschaubaren Kammerspiel, eine eindringliche, geradezu unheimliche und sehr ehrliche Darstellung der großen Gefühlsregungen zwischen Florestan und Leonore zu gestalten. Weniger einfallsreich fanden wir den statisch inszenierten Gefangenenchor im ersten Teil. Der engagierte Herrenchor der Staatsoper steht nur in einem Lichtkegel, aber der Wunsch nach Licht und Luft hätte noch etwas stärker herausgearbeitet werden können.

Daniel Barenboim am Pult gibt an diesem Abend den Großmeister der leisen Töne. Egal, in welcher Instrumentengruppe, gespielt wird an vielen Stellen des Abends eine Musik, die im Nichts beginnt, sich dann im Pianissimo sphärisch aufbaut, um schließlich in den Fortestellen zu endgültiger Reife zu kommen.

Es steht jetzt schon fest, dass diese Inszenierung über Jahre gut ankommen wird. Schließlich wird es auch leicht möglich sein, dass optisch ansprechende, aber technisch doch recht einfache Bühnenbild in der nächsten Spielzeit in die Lindenoper umzuziehen. Genau genommen hätte nämlich die Nationaloper schon die frisch renovierte Spielstätte eröffnen sollen. Seit Jahrzehnten wird das Stück bei Neu- und Wiederöffnungen von Opernhäusern herzlich gerne aufgeführt.

Schön also, dass die Premiere zu einem festlichen Ereignis auf einem guten musikalischen Niveau wurde. Aber schade, dass dieses bedeutende Werk nicht doch gleich von Beginn an in der pünktlich sanierten Staatsoper Unter den Linden gespielt werden konnte…

FIDELIO

Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven
Premiere am Montag, den 3. Oktober 2016 um 18:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 7., 9., 14., 16., 25. und 28. Oktober 2016
Staatsoper im Schiller Theater

  • Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
  • Inszenierung: Harry Kupfer
  • Regiemitarbeit: Derek Gimpel
  • Bühnenbild: Hans Schavernoch
  • Kostüme: Yan Tax
  • Licht: Olaf Freese
  • Chor: Martin Wright
  • Dramturgie: Detlef Giese

Opernfan.de berichtet hier von der Premiere.  

Besetzung:

Don Ferrando: Roman Trekel
Don Pizzaro: Falk Struckmann
Florestan: Andreas Schager
Leonore: Camilla Nylund
Rocco: Matti Salminen
Marzelline: Evelin Novak
Jaquino: Florian Hoffmann

Orchester: Staatskapelle Berlin; Chor: Staatsopernchor

Bitte beachten Sie die weiteren Ankündigungen dieser Inszenierung. 

Link zur Website der Staatsoper unter den Linden

Die Theaterkasse der Staatsoper hat die Berliner Telefonnummer (030) - 20 34 45 55. 

Wenn Sie diese Website auf einem Mobiltelefon lesen, können Sie einfach hier klicken, um anzurufen: +493020354555 

Die Staatsoper unter den Linden spielt derzeit im Schillertheater in der Bismarckstraße. Die Haltestelle für die Anfahrt mit der U-Bahn heißt Ernst-Reuter-Platz. 

Letzte Änderung am Dienstag, 04 Oktober 2016 22:01

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