Dschungelprinzessin Désirée Nick führt durch Kálmán's witzige Zirkusoperette

geschrieben von  Alexander Hildebrand Sonntag, 20 Dezember 2015 23:00

Emmerich Kálmáns Operette Die Zirkusprinzessin feierte an der Komischen Oper Berlin Premiere. Mit dabei: Ein starkes Solistenensemble sowie Diseuse und Fernsehstar Désirée Nick.

Bereits in der vierten Spielzeiten erklingt an der Komischen Oper Berlin um Weihnachten eine Operette aus der Feder von Emmerich Kálmán. In Die Zirkusprinzessin geht es um die alte Geschichte von verschmähter Liebe, gekränkter Eitelkeit und Rache. Die Handlung ist ins zarische Russland verlegt. Die Autoren Julius Brammer und Alfred Grünwald gestalten für die Wiener Uraufführung im Jahre 1926 eine Gesellschaftskroteske, die Kevin Clarke im Programmheft als Dekonstruktion einer großen romantischen Liebesgeschichte bezeichnet.

Für die Zurückweisung durch die russische Fürstin Fedora Palinska revanchiert sich Prinz Sergius Wladimir auf seine Weise: Er stellt der Fürstin den ebenso umjubelten wie geheimnisumwobenen Zirkusartisten Mister X als Prinz Korosow vor. Tatsächlich verliebt sich die Fürstin leidenschaftlich in den charmanten Prinzen. Prinz Sergius Wladimir treibt das Spiel auf die Spitze und drängt zur Heirat, nur um Fürstin Palinska am Hochzeitstag vor den versammelten Gästen als Braut eines Zirkusakrobaten, als "Zirkusprinzessin", zu verhöhnen. Was weder Fedora noch Prinz Wladimir wissen: Mister X alias Prinz Korosow ist in Wirklichkeit ein russischer Fürst, dessen Schicksal einst ausgerechnet durch Fedora eine tragische Wendung erhielt ...

 

Das Paar des Abends: Zoltán Nyári (als Mister X) und Alexandra Reinprecht (als Fürstin Fedora Palinska) © Foto: Iko Freese | drama-berlin.de
Ein schönes Paar: Peter Renz (als Toni Schlumberger) und Julia Giebel (als Miss Mabel Gibson) © Foto: Iko Freese | drama-berlin.de
Dschungelprinzessin trifft Operette: Désirée Nick als Zirkusdirektorin Stanislawski © Foto: Iko Freese | drama-berlin.de
Schließlich verliebt: Désirée Nick (als Zirkusdirektorin Stanislawski) und Ivan Tursic (als Prinz Sergius Wladimir)  © Foto: Iko Freese | drama-berlin.de

Bildergalerie von Die Zirkusprinzessin an der Komischen Oper. Alle Fotos:  @ Iko Freese | drama-berlin.de

 

Die Rolle des Zirkusdirektors Stanislawski ist eigens für Désirée Nick zur Zirkusdirektorin umgeschrieben worden. Die seit Jahrzehnten auf deutschen Bühnen als Diseuse und Kabarettistin erfolgreiche Künstlerin, beim Privatsender RTL zur Dschungelkönigin gekrönt, gestaltet ihre Conférencen launisch und witzig. Durchgängig würzt sie ihre Texte mit einer ordentlichen Portion Selbstironie: „Ich bin die Dschungelprinzessin“ sagt Stanislawski alias Nick über sich selbst. Ihre Pointen sind treffsicher und ihr Spiel ehrgeizig. Die gesamte Rolle ist ein sehr abwechslungsreicher Kontrast zum Ensemble der hervorragenden Opernsängerinnen und –sänger des Premierenabends. Hervorzuheben, weil aus einer vorderen Reihen gesehen, sind der liebevolle Zirkusfrack sowie das aufwändige Gala-Make-Up!

Die Sopranistin Julia Giebel und der Tenor Peter Renz gestalten als Miss Mabel Gibson und Toni Schlumberger mehrere der berühmten Melodien, die zu Welthits wurden. „Die kleinen Mäderln im Trikot“ ist eine aus heutiger Sicht geschmacklose Anmache blutjunger Artistinnen, aber der beliebte Peter Renz bringt mit seinem geschmeidigen Tenor eine witzige und sehr wienerische Fassung des Gassenhauers zu Gehör. Stil- und schwungvoll gestalten Giebel und Renz auch das berühmte „Wenn du mich sitzen lässt, fahr ich sofort nach Budapest!“. ´

Im Mittelpunkt des Abends und mit der vielschichtigeren Musik ausgestattet sind Alexandra Reinprecht als Fürstin Fedora Palinska und Zoltán Nyári als Mister X, übertünchter russischer Fürst. Die Sopranistin Alexandra Reinprecht, in Berlin bisher kaum zu hören, spielt eine stolze, geheimnisvolle Fürstin. Besonders auffallend sind ihr warmes Timbre und die schöne Mittellage. Zoltán Nyári, sonst überwiegend in Budapest zu hören, war schon vor zwei Jahren in Die Herzogin von Chicago (Kálmán) an der Komischen Oper erfolgreich. Als jugendlicher Heldentenor im besten Alter sind Farbe, glasklare Intonation und seine Gestaltung der großen Rolle ein wahrer Genuss.

Stefan Soltesz, österreichischer Dirigent ungarischer Herkunft, führt das Orchester der Komischen Oper mit sicherer Hand. Er kennt alle dynamischen Tricks, wählt flotte Tempi und hat zurecht keinerlei Bedenken, gelegentlich vom streicherlastigen Orchesterklang zum bläserbetonten Jazz-Sound zu wechseln. Soltesz macht die Die Zirkusprinzessin zu einem hörenswerten Juwel.

Schließlich lässt es sich Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky am Ende nicht nehmen, ein Geheimnis auszuplaudern. Nach fünf Spielzeiten mit Kálmán-Operetten wird die Serie nächstes Jahr, also in der Spielzeit 2015/2016, enden. Klar, dass für den Schluss der Kálmán-Serie ein Höhepunkt bevorsteht. Kosky verspricht die deutsche, gar europäische Erstaufführung der Operette Marinka, die Kálmán 1945 in Amerika für den New Yorker Broadway komponierte. So folgt auf den diesjährigen Ohrenschmaus von Die Zirkusprinzessin bestimmt ein weiterer großer Operettenabend in der Komischen Oper Berlin.

Premiere am 20. Dezember 2015 in der Komischen Oper Berlin.
Berlin, Deutschland

"Die Zirkusprinzessin" von Emmerich Kálmán, Operette in zwei Akten (1954)

Sängerinnen und Sänger der besuchten Aufführung

  • Zirkusdirektorin Stanislawski: Désirée Nick
  • Mister X: Zoltán Nyári
  • Fürstin Fedora Palinska: Alexandra Reinprecht 
  • Miss Mabel Gibson: Julia Giebel
  • Toni Schlumberger: Peter Renz
  • Prinz Sergius Wladimir: Iva Tursic  

Musikalische Leitung: Stefan Soltesz
Szenische Einrichtung der konzertanten Aufführung: Barrie Kosky
Kostüme: Katrin Kath
Chöre: David Cavelius

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