„Billy Budd“ in Berlin: Oper an der Pforte zur Hölle

  Freitag, 23 Mai 2014 01:59
John Chest als Billy John Chest als Billy Fotos © Marcus Lieberenz

„Schönheit!“, „Hübscher!“, „Babe!“. Überraschende Wörter in einer reinen Herrenoper. Es geht um Benjamin Brittens „Billy Budd“, die unter der Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles an der Deutschen Oper ihre Berliner Erstaufführung erlebte. Es ist die aufregendste Premiere in dieser Spielzeit und eine Sternstunde der Kunstform Oper!

In seiner Heimat ist Benjamin Britten, der 1913 im britischen Küstenort Lowestoft in Suffolk geboren wurde und nach Henry Purcell als bedeutendster Komponist des Inselreiches gilt, bis heute allgegenwärtig. In Deutschland kam die Britten-Begeisterung mit einiger Verspätung an. Das Britten-Jahr 2013 brachte allerdings frischen Wind in die Konzertsäle und Opernhäuser. An der Deutschen Oper feierte „Peter Grimes“ im Januar 2013 einen großen Erfolg, nun das zweite „maritime“ Meisterwerk „Billy“ eines der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.


Die Oper „Billy Budd“ ist ein Kriminalstück. Ein beklemmendes Kammerspiel auf hoher See. Der junge Billy Budd (überzeugend lyrisch: John Chest) wird auf ein Kriegsschiff entführt. Er stottert in schwierigen Situationen und kann sich nicht wehren, als Intrigen des Waffenmeisters Claggart (unheimlich: Gidon Saks) gegen ihn gesponnen werder. Dieser hatte sowieso mehr als ein Auge auf ihn geworfen. John Claggart ist der Tyrann und Unterdrücker der gesamten Mannschaft. Billy wird zum Tode verurteilt, selbst der reflektierte Edward Fairfax Vere (dramatisch verzweifelt: Burkhard Ulrich) kann ihn nicht vor der kriegsbedingten Todesstrafe bewahren. Er kann nicht verhindern, dass – nach seinen eigenen Worten - unrichtig Handelnde und er selbst an der Pforte zur Hölle stehen!

Diese Oper behandelt immernoch alle Themen der heutigen Zeit: Unterdrückung und Leid, Einsamkeit und Rebellion, Krieg und Tod, Liebe und Sexualität. 1951 im schwulenfeindlichen England ein wahres Wagnis, dies alles in einer reinen Männerwelt spielen zu lassen. Die gezeigte Inszenierung entstand 2012 an der English National Opera und ist eine Koproduktion mit dem Bolshoi Theater und der Deutschen Oper Berlin. In schweren, übersichtlichen Bildern wird die Geschichte in filmischem Tempo erzählt. Orchester und Chor zeigen sich in Bestform, Donald Runnicles leitet mit großer Souveränität und findet stets ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bühne und Graben.

opernfan.de meint: Die selten aufgeführte Britten-Oper ist ein Ereignis, das jeden packt! 

P.S. Die Britten-Pears-Foundation, benannt nach dem Komponisten und seinem Lebensgefährten Peter Pears, hat eine iPad-App für Kinder herausgebracht, den „Young Person’s Guide to the Orchestra“ zum Kennenlernen eines seiner erfolgreichsten Stücke für Kinder. Schauen Sie gelegentlich auf opernfan.de vorbei, wenn wir einen Test der iPad-App hier beschreiben… 

Geschrieben von Alexander Hildebrand mit Verwendung eines Pressetextes der Deutschen Oper Berlin

22. Mai 2014, Weitere Vorstellungen: 28., 31. Mai; 3., 6. Juni 2014. 
Deutsche Oper Berlin
Berlin, Deutschland

"Billy Budd" (Benjamin Britten, 1913-1976).

Oper in zwei Akten mit Prolog und Epilog. Libretto von Edward Morgan Forster und Eric Crozier
nach Herman Melvilles Roman „Billy Budd“

 

  • Edward Fairfax Vere: Burkhard Ulrich
  • Billy Budd: John Chest
  • John Claggart: Gidon Saks
  • Mr. Redburn: Markus Brück
  • Mr. Flint: Albert Pesendorfer
  • Leutnant Ratcliffe: Tobias Kehrer
  • Red Whiskers: Clemens Bieber
  • Donald: Simon Pauly
  • Dansker: Lenus Carlson
  • The Novice: Thomas Blondelle

 

Musikalische Leitung: Donald Runnicles
Regie: David Alden
Bühne: Paul Steinberg
Chöre: William Spaulding
Kostüme: Constance Hoffmann 

Chor, Extrachor und Kinderchor der Deutschen Oper Berlin
Orchester der Deutschen Oper Berlin

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