Carmen: Inhalt der Oper von George Bizet

Die verführerische Zigeunerin Carmen ist ein Phantasieprodukt französischer Künstler. Somit beschreibt die Oper "Carmen" ein Spanien, das es so nie gegeben hat. Liebe, Freiheit und schließlich der Tod gehören aber zu Bizets Oper genauso wie einige der berühmtesten Melodien des Genres. Opernfan.de erläutert hier Inhalt,  Handlung und viele wissenswerte Details der Oper "Carmen"... 

Carmen (Oper)

Allgemeines

Die Oper Carmen ist im deutschsprachigen Raum regelmäßig unter den Top 10 der meistgespielten Opern zu finden. Es wäre kein Problem, innerhalb einer Spielzeit ein Dutzend verschiedene Inszenierungen der Oper Carmen zu sehen. Wenn man noch Österreich und die Schweiz dazu betrachtet, könnte eine Opernreise, die verschiedene Inszenierungen der Oper Carmen innerhalb einer Spielzeit „sammelt“, sogar 15 oder 16 verschiedene Inszenierungen haben. Nach Angaben der Werkstatistik 2017/2018 des Deutschen Bühnenvereins kamen in Deutschland 141 Aufführungen der Oper Carmen inneherhalb einer Spielzeit zusammen. Bei Dazurechnen von Carmen-Aufführungen in Österreich und der Schweiz kommen sogar 217 Aufführungen auf die Liste des Spielzeit 2017/2018.

Carmen auf Opernfan.de

In diesem Beitrag finden Sie umfangreiche Informationen zur Oper Carmen. Neben einem Text zu Inhalt und Handlung der Oper Carmen finden Sie auch einige wissenswerte Informationen zur Entstehungsgeschichte.

Klick auf das Foto aus der Berliner Inszenierung von
Ein Klick auf das Foto aus der Berliner Inszenierung von "Carmen" (Deutsche Oper, 2018) führt zu allen Inhalten über Carmen auf opernfan.de | Im Bild: Szene aus der Oper Carmen mit Charles Castronovo (Don José) und Clémentine Margaine (Carmen) | Foto © Alexander Hildebrand |

Vorspiel und vor den Akten ein Zwischenspiel. 27 Musiknummern, die durch gesprochene Dialoge oder nachkomponierte Rezitative verbunden werden.

Komponist: Georges Bizet

Dichtung (auf Französisch) von Henri Meilhac und Ludovic Halevy. Nach einer Novelle von Prosper Mérimée. 

Uraufführung am 3. März 1875 in der Opéra-Comique in Paris (Frankreich)

Die Musik der Oper dauert etwa zwei Stunden und 45 Minuten. Meist gibt es eine Pause (etwa in der Mitte). 

Hauptfiguren der Oper "Carmen"

  • Carmen (Dramatischer Mezzosopran, auch dramatischer Alt oder Charaktersopran), Arbeiterin in der Zigarettenfabrik in Sevilla, Zigeunermädchen
  • Don José (Tenor, meist jugendlicher Heldentenor), Sergeant
  • Escamillo (Bariton, Kavalierbariton oder Charakterbariton), Stierkämpfer
  • Micaela (Sopran, lyrischer Sopran oder jugendlich-dramatischer Sopran), ein Bauernmädchen

Kleinere Partien

  • Zuniga (Bass), Leutnant
  • Moralès (Bariton), Sergeant
  • Lillas Pastia (Sprechrolle), Wirt
  • Frasquita (Sopran) und Mercedes (Mezzosopran), Freundinnen von Carmen, Zigeunermädchen

Chor: Soldaten. Zigarettenarbeiterinnen. Stierfechter. Schmuggler. Zigeuner und Zigeunerinnen. Volk.

Ort: In und bei Sevilla in Spanien

Carmen, Inhalt des 1. Aktes

Die Handlung der  Oper "Carmen" beginnt auf einem Platz vor der Zigarettenfabrik in Sevilla. Soldaten vertreiben sich die Zeit. Micaela, ein hübsches Bauernmädchen, sucht ihren Freund Don José, einen Sergeant. Die Fabrikglocke läutet und die jungen Arbeiterinnen kommen raus und flirten mit den Soldaten. Die Schönste von ihnen ist eine junge, dunkelhaarige Frau, nach der die Oper schließlich benannt ist: Carmen. Man erzählt sich, sie stamme von "Zigeunern" ab. Carmen richtet ihre berühmte Arie über die Liebe („L’amour est un oiseau rébelle“, „Die Liebe ist wie ein wilder Vogel“)  sie  Josè, der sie aber ignoriert. Dennoch wirft Carmen  José eine Blume zu. 

Micaela bringt Don José einen Brief seiner Mutter (Jose: „Parle-moi de ma mère“, „Erzähl mir von meiner Mutter“). Sie rät ihm, zu heiraten, und schlägt Micaela als Braut vor. Plötzlich gibt es vor der Fabrik einen Tumult, weil Carmen eine Kollegin im Streit mit dem Messer verletzt hat. Don José führt sie in Fesseln aus der Fabrik, ist von ihr aber so angetan, dass er den Strick nur lose um Carmens Hände macht. Carmen entkommt. 

Serena Sáenz (Mercédès), Jaka Mihelač (Dancaïro), Anita Rachvelishvili (Carmen), Ziad Nehme (Remendado) und Alyona Abramova (Frasquita) | Foto © Monika Rittershaus | Carmen 20 044

Klick auf das Foto führt zu Fotos der "Carmen"-Inszenierung in der Berliner Staatsoper unter den Linden

Handlung Carmen (Oper), 2. Akt

Ein paar Wochen später. Im Wirtshaus von Lillas Pastia singt und tanz Carmen abends mit ihren Freundinnen. Sie erfährt, dass Don José eine Strafe absitzen musste, weil sie entkommen ist. Der gerade siegreich gewesene Stierkämpfer Escamillo kommt und die Massen bejubeln ihn (Arie „Toréador en garde!“, „Auf in den Kampf, Torero!“). Er versucht, Carmen für sich zu gewinnen, doch sie weist ihn ab.

Die Kneipe schließt gerade, da suchen Schmuggler, die Carmen kennen, nach jemandem, der die Wachen ablenkt. Carmen gibt vor, keine Zeit zu haben, weil sie auf José wartet. Er kommt und sie will ihn davon überzeugen, mit zu den Schmugglern zu gehen. Aber da stürzt Zuniga, Josés Chef in das Wirtshaus. Sie kämpfen mit den Säbeln gegeneinander, bis die Schmuggler sie auseinander ziehen. „Kommst Du jetzt mit?“, fragt Carmen wieder und weil José einen Streit mit seinem Chef hatte, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit Carmen und ihren Freunden in die Berge zu ziehen. 

3. Akt von Carmen

Im Versteck in den Bergen verliert Carmen langsam das Interesse an José. Die Zigeunermädchen lesen in den Karten, dass sie und er bald dem Tod ins Auge sehen müssen („Kartenterzett“). Unterdessen ist Micaela auf dem Weg zur Kaserne mit einer Nachricht für Don José. Jetzt tritt Escamillo auf, um Carmen zu sehen. Don José fordert ihn mit dem Messer heraus und tötet den Stierkämpfer fast. Als Micaela Don José endlich sagen kann, dass seine Mutter im Sterben liegt, geht er mit ihr mit, schwört Carmen aber, dass er wiederkommt.

Inhalt Carmen, 4. Akt

Der Schlussakt spielt vor der Stierkampfarena und ist eine sehr berühmte „Volksszene“. Es herrscht ein buntes Treiben aus Marktverkäufern und fröhlichen Menschen. Escamillo und Carmen kommen zusammen, ihre Freundinnen warnen, dass auch Don José da sei. Als sie aufeinandertreffen, beteuert er seine Liebe und bittet sie, zu ihm zurückzukehren (Liebesduett: „Si tu m’aimes, Carmen“, „Wenn du mich liebst, Carmen“). Carmen weist ihn ab. Als er erkennt, dass seine Liebe aussichtlos ist, ersticht er sie. Escamillo kommt aus der Arena. Don José beichtet, dass er die geliebte Freundin getötet hat. 

Die Musik in der Oper Carmen

Orchesterbesetzung
2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte, 2 Klarinetten, 4 Hörner, 2 Pistons, 3 Posaunen, Pauken, Schlagwerk (Becken, Triangel, große Trommel, kleine Trommel, Tamburin, Kastagnetten),
2 Harfen
Streicher
Bühnenmusik: 2 Pistons, 3 Posaunen

Die Oper Carmen hält fast immer einen Aha-Effekt bereit. Sobald die ersten Takte der Habanera („L’amour est un oiseau rebelle“) oder das Torero-Lied im Opernhaus erklingen, erkennen die meisten Zuschauer, dass Sie diese Melodien schon mal gehört haben. Die Auftrittsarie des Toreros Escamillo gehört sicher zu den berühmtesten Meldien der Opernliteratur und innerhalb der Oper Carmen taucht es auch oft als Erinnerungsmotiv auf.

Klick aufs Bild führt zur vollständigen Bildergalerie der Oper Carmen in der Deutschen Oper Berlin  | Im Bild: Szene mit Markus Brück (Escamillo) |  Foto © Alexander Hildebrand |
Der Torero Escamillo in der Oper Carmen. Klick aufs Bild führt zu allen Fotos einer Inszenierung von Carmen aus der Deutschen Oper Berlin | Foto © Alexander Hildebrand für opernfan.de|

Auch die Titelfigur Carmen hat eine Erinnerungsmelodie. Sie setzt sich aus Tönen der Zigeunertonleiter zusammen. Insgesamt ist die Verwendung einer Art Leitmotive in der Oper aber spärlich.

Sehr bekannt ist auch der Chor der Arbeiterinnen im ersten Akt der Oper Carmen. Die Szene spielt vor einer Zigarrenfabrik in Sevilla. Die Frauen aus der Fabrik kommen in einer Arbeitspause auf den Platz vor dem Gebäude und treffen auf Soldaten. Sie singen aber davon, dass man sich doch lieber nicht auf einen Mann einlassen sollte („Dans l’air, nous suivons des yeux la fumée“).

Im vierten Akt der Oper Carmen gibt es eine musikalisch sehr interessante Szene mit José und Carmen. In der Arie „La fleur que tu m’avais jetée“ geht José nochmal die Anfänge seiner Freundschaft mit Carmen durch. Diese Arie heißt auch die „Blumenarie“. Sie folgt einem Tanzlied, bei der Carmen sogar von José unterbrochen wird. In dieser Szene ist auch in der Musik sehr gut zu erkennen, dass José einen inneren Konflikt durchmacht: Er befindet sich zwischen einer Aufgabe, die sein Pflichtbewusstsein beansprucht (es geht um Micaela und seine Mutter) und seiner Leidenschaft für Carmen.

Der Komponist George Bizet war nie in Spanien. Dennoch hat die Musik der Oper Carmen eine spanische Färbung. Bizet hatte sich intensiv mit spanischen Liedern beschäftigt und verschiedenen Kompositionen angeschaut, um sich inspirieren zu lassen. Im Vergleich zu anderen großen Komponisten seiner Zeit (Giuseppe Verdi, Richard Wagner) ist das Orchester kleiner besetzt. Schon im Vorspiel erreicht er allerdings ungewöhnliche musikalische Färbungen, zum Beispiel durch das Zusammenspiel von Klarinette, Fagott und Trompete. Auch durch eine Komposition, in der verschiedene Instrumente in ungewöhnlichen Lagen spielen, entstehen neuartige Klangbilder. Im Vorspiel sind Klarinetten in einer tiefen Lage unter den Hörnern zu hören. Die Flöten sind im Vorspiel manchmal „unter“ den Oboen zu hören.

Entstehung des Librettos der Oper Carmen

George Bizet hatte selbst die Idee, die beliebte Novelle Carmen von Prosper Mérimée zur Oper Carmen zu machen. Er konnte zwei Librettisten für seine Ideen begeistern. Zur Verstärkung theatralischer Effekte stellten die beiden aber unwichtige Details aus der Novelle in den Vordergrund. So wird dem Wurf der Blume im ersten Akt eine große Bedeutung beigemessen.

Nach der Uraufführung in Paris gab es erst mal Tumulte. Noch nie hatte man eine moralisch fragwürdig agierende Hauptfigur in einer Oper gesehen. Auch ein charakterlich schwacher und beeinflussbarer Offizier kam beim bürgerlichen Pariser Publikum nicht gut an. Außerdem spielte die Oper in einer niederen Schicht, unter einfachen Offizieren, Zigeunern und den Angestellten einer Zigarrenfabrik! Wenigstens die Leistungen der Sänger kam in den Tagen der Uraufführung gut an. Aber erst nach der Wiener Erstaufführung (auf Deutsch) im Jahre 1875 wurde die Oper Carmen zu einem großen Erfolg. Von Wien aus wurde Bizets Carmen schnell zu einer der bekanntesten Opern weltweit.

Dieser Artikel ist ein Originalbeitrag für opernfan.de. Er ist urheberrechtlich geschützt. 

Gelesen 99595 mal Letzte Änderung am Freitag, 01 Mai 2020 17:28

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