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Yannick Nézet-Seguin führt Erfolg mit Mozarts Entführung aus Baden-Baden fort

geschrieben von  Samstag, 08 Oktober 2016 12:04

Die Einspielung der Entführung aus Baden-Baden, die dritte Mozart-Oper eines Zyklus, hat sich Moritz Kühn für opernfan.de angehört. 

Zum dritten Mal lud Yannick Nézet-Séguin ins Festspielhaus Baden-Baden, um mit hochkarätigen Musikern Mozarts Entführung aus dem Serail zu spielen. Mit besten Erinnerungen an Teil 1 (Don Giovanni) und Teil 2 (Così fan tutte) erwartet man diese CD nicht mehr unvoreingenommen. Nein, ungeduldig freut man sich auf die Fortsetzung der bisher brillanten Leistungen des jungen Stardirigenten und seinen Musikern!

Circa 2 Stunden und 20 Minuten später stellt sich das bekannte Gefühl der vollkommenen Zufriedenheit ein, dass sich schon zum Don Giovanni und zur Così eingestellt hat. Ein weiteres Mal konnte Nézet-Séguin mit dem Chamber Orchestra of Europe eine durch und durch überzeugende Interpretation der Entführung abliefern. Mit größter Sorgfalt und Sensibilität für Tempo, Dynamik und Artikulation holt er das Maximum aus Mozarts Noten heraus. Von der Ouvertüre bis zum Finale wirkt jede Nummer überzeugend und echt, ohne eine wichtige Erkenntnis des großen Nikolaus Harnoncourt zu missachten: „Man soll nicht die Partitur spielen – sondern die Musik!“ Doch das Genie am Pult braucht auch zum wiederholten Mal ein Paar fleißige Leute, die ihn bei der Verwirklichung seiner Ideen helfen: Die Aufnahmetechniker aus Baden-Baden liefern dem Hörer ein transparentes und ausgewogenes Klangerlebnis.

Unter den Sängerinnen und Sängern finden wir abermals bekannte Namen wieder: Startenor Rollando Villazón in der Rolle des Belmonte gelingt es, die emotionale Bandbreite seiner Figur zu transportieren. Im Gegensatz zu den vorangegangen Aufnahmen aus Baden-Baden kann sich Villazón besser fallen lassen und in den leiseren Passagen den Druck reduzieren. Paul Schweinster (Tenor) singt einen flexiblen und gewitzten Pedrillo, der aber auch in den ernsten Momenten berührt. Im Gegensatz zu ihrer Leistung im Don Giovanni liefert Diana Damrau (Sopran) eine tadellose Interpretation der Konstanze ab – die „Martern Arie“ als Referenzstelle singt sie mit allen Facetten und Gänsehautgarantie. Die große Überraschung der Aufnahme ist jedoch Anna Prohaska (Sopran) als Blonde, die ihre Rolle sicher und scheinbar mühelos mit jugendlichem Timbre ausgestaltet. Franz-Josef Selig (Bass), den viele Hörer wahrscheinlich noch als überzeugenden Sarastro in Erinnerung haben, kann auch seinem Osmin charakterliche wie stimmliche Tiefe verleihen. Den Spagat seiner Rolle zwischen Humor und Ernst meistert Selig mit Leichtigkeit. Thomas Quasthoff (Bassbariton im Unruhestand) bereitet dem Publikum auch noch nach seinem Bühnenrücktritt große Freude. Da er lediglich beteuert hatte, nach seinem Bühnenrücktritt keinen Ton mehr in der Öffentlichkeit zu singen, lieg einer Sprechrolle nichts im Wege. Und das Resultat überzeugt: Seine Worte als Bassa Selim gehen unter die Haut. Ebenso zum wiederholten Mal liefert das Vocalensemble Rastatt eine ausgewogene Chorpartie ab.

 

Wolfgang Amadeus Mozart 

Die Entführung aus dem Serail (3 CDs, eine Aufnahme aus dem Festspielhaus Baden-Baden, 2015)

Musikalische Leitung: Yannick Nézet-Séguin, mit: Diana Damrau, Anna Prohaska, Franz-Josef Selig, Paul Schweinster, Rollando Villazón, Thomas Quasthoff, Vocalensemble Rastatt
Orchester: Chamber Orchestra of Europe
Dauer: 138 Minuten
© Deutsche Grammophon

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Weitere Informationen

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Letzte Änderung am Dienstag, 18 Oktober 2016 08:08

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